Warum schon wieder die Hütte brennt
11.05.2010 - FJH
Die Hütte brennt. Die Brandstifter spekulieren auf die Versicherungssumme. Für die baufällige Bruchbude hatten sie eine Neuwert-Versicherung abgeschlossen.
Doch die Flammen im Schuppen greifen schnell auf die benachbarten Gebäude über. Schon riecht man auch im noblen Kasino den beißenden Brandgeruch.
Lange Zeit hatte die Polizei sich nicht in den Bezirk hereingetraut. Die Zocker hatten die Beamten bestochen, damit sie bei ihren windigen Geschäften freie Bahn haben.
Nun aber kommt die Polizei im Schlepptau der Feuerwehr zur Brandstelle. Doch bevor man etwas unternimmt, diskutieren Brandschützer und Bullen zunächst mit den Brandstiftern. Man möchte ihnen ja nicht in ihre heiße Suppe spucken! Zögernd entrollt die Feuerwehr ihren Schlauch. Das Wasser pumpt sie aus der nahe gelegenen Talsperre heran. Sie bildet das Trinkwasser-Reservoire für die nördlichen Stadtbezirke.
Dort wohnen ohnehin nur die Armen und Abgehalfterten. Ihnen kann man das Trinkwasser ruhig verknappen, meinen die Polizisten und Feuerwehrleute lakonisch.
Derweil halten die Hasardeure freudig erregt die Hand auf. Die Versicherung zahlt ihnen ein Vielfaches des Betrags, den der abgebrannte Schuppen wirklich wert war.
Schon halten sie Ausschau nach einer weiteren Bude, für die sie eine Neuwert-Versicherung abschließen können. Schließlich haben sie soeben ein sehr gutes Geschäft gemacht mit der Bruchbude, in der bis vor kurzem noch ein griechisches Restaurant beheimatet war.
Gleich auf der anderen Seite des Kasinos gibt es einen Portugiesen. Danben kocht auch ein Spanier seine Paella. Der Italiener ein paar hundert Meter weiter hat seine Hütte zwar gerade erst neu angestrichen, aber in den Balken tickt auch schon der Holzwurm.
Es ist gerade einmal eineinhalb Jahre her, dass den Zockern der Arsch auf Grundeis gegangen ist. Einige hatten sich heftig verspekuliert. Aber ihre wachsame Freundesclique hat ihnen schnell mit ein paar Scheinchen ausgeholfen.
Josef Bauer reibt sich vergnügt die Hände. Einen so riesigen Reibach hat seine Bank lange nicht mehr gemacht. Die Neuwert-Versicherungen sind sehr einträgliche Papiere.
Das in der Griechen-Bude drei Menschen mit abgefackelt worden sind, war ein dummer Betriebsunfall. Angesichts der gigantischen Gewinne, die er bei diesem Brand gemacht hat, ist das für ihn aber nur nebensächlich.
Die waren auch selber schuld. Was mussten die auch aufs Dach der brennenden Bude klettern!
Der Brandstifter gebärdet sich als Biedermann. Der Feuerwehr spendet er sogar einige Cent für einen neuen Schlauch.
Seine Freundin Angela sieht ihn säuerlich an. Sie war immer so gerne beim Griechen, weil Papa Giorgos so gut gekocht hat. Auch den Spanier mag sie sehr.
Aber Josef hält sie aus. Da muss sie seine Allüren eben auch aushalten. Schließlich spendiert er ihr den Pelzmantel und das Taschengeld zum Shoppen in Paris und New York.
Hastig hat sich Angela mit ihren Freunden Nicolas, Jacques, Gordon und den Rest der Clique zusammengesetzt. Brandmeister Olli soll einen richtig großen neunen Feuerwehwagen bekommen. Das Geld dafür wird Josef ihnen schon leihen, natürlich gegen gute Zinsen!
Geld regiert die Welt. Andere glauben nur, dass sie regieren.
Solange sich dagegen kein Widerstand regt, zündeln die Zocker munter weiter. Doch irgendwann wird auch ihr wunderschönes Kasino Feuer fangen.
Dann werden die Armen mit ihren – von Wassermangel ausgetrockneten - heiseren Kehlen die Tür blockieren, damit die Zocker in ihrem eigenen Rauch ersticken. Wenn sie mit ihren heißen Geschäften auf Kosten der Menschen, der Natur und der Zukunft nicht bald aufhören, dann sind sie nicht mehr zu retten.
Franz-Josef Hanke - 11.05.2010