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Love Parade sucht einen Sündenbock

Mit einem einzigen Rücktritt ist es nicht getan


28.07.2010 - jn


Auch am vierten Tag nach dem Desaster bei der Love Parade am Samstag (24. Juli) in Duisburg sind die Medien voll mit Meldungen darüber. Indem aber ein Sündenbock ausgeguckt wird, stehlen sich weitere tatkräftig Beteiligte billig aus der Verantwortung.


Die Gemüter haben sich nicht beruhigt, wie es eigentlich erwartet worden war. Angesichts der 21 Getöteten - zwei weitere Schwerverletzte sind zwischenzeitlich ebenfalls gestorben - ist das leicht nachvollziehbar.


Vor allem die Frage nach der moralischen - der sogenannten "politischen" - Verantwortung beschäftigt die Journalisten und das Publikum. Ist es aber wirklich die sachliche Klärung der zugrunde liegenden Verhaltensfehler und der dafür Verantwortlichen, die das Publikum umtreibt?


Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass es eher der Wunsch nach einem Schuldigen ist, den man "opfern“ möchte, um psychologisch Entlastung zu finden. Das ist der uralte Sündenbock-Mechanismus.


Ein Bericht des aus Duisburg stammenden nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (spd) belastete am Mittwoch (28. Juli) mit vielen Indizien die Lopavent GmbH um den Fitness-Unternehmer Rainer Schaller schwer. Diese Firma war offizieller Veranstalter der Love Parade.


In den Tagen zuvor waren vor allem belastende Details und dadurch begründete Rücktrittsforderungen gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (cdu) laut geworden. Zudem wurden auch die Polizei sowie der Panik-Forscher Prof. Schreckenberg beschuldigt, Fehler gemacht zu haben.


Seit Tagen schieben sich alle Beteiligten gegenseitig die Hauptverantwortung in die Schuhe. Es geht um viel. Noch könnten etliche darüber ihre Posten, ihren Leumund oder viel Geld verlieren.


Statt sich jedoch an dem entbrannten öffentlichen Schwarzer-Peter-Spiel zu vergnügen, sollten die Beobachter indes lieber genau hingucken. Denn der Gedanke liegt zumindest nahe, dass der Grund der vielen Opfer der Massenpanik in dem Tunnel vor dem Veranstaltungsgelände nicht das Versagen eines einzelnen "Täters" ist, sondern das Versagen einer ganzen Gruppe verschiedener Beteiligter. Was die Verursacher des blutigen Desasters aber gemeinsam haben dürften, ist eine Mentalität des "Augen-zu-und-durch".


Für den Sündenbock-Mechanismus indes genügt meist ein "Bauernopfer", um etwa durch einen Rücktritt das Publikum zu besänftigen. Nur den Rücktritt des OB zu fordern und zu bekommen, könnte bedeuten, dass weitere Verantwortliche ungeschoren davonkommen.


Das hat in dem bisher besten journalistischen Beitrag zum Geschehen der Journalist Peter Mühlbauer in der "telepolis" von Mittwoch (28. Juli) herausgearbeitet. Er nennt Indizien, die Dieter Gorny, den Chef des Bundesverbandes Musikindustrie, sowie den Ex-Landesinnenminister Ingo Wolf (fdp) belasten.


Beide hätten trotz gut bekannter schlechter örtlicher Voraussetzungen, die im Vorjahr auch logischerweise in Bochum zu einer Absage des Massenevents führten, die operativen Entscheidungsträger zur Duldung der Konzept-Schwächen beeinflusst. Wolf soll sogar zwei Polizeipräsidenten, die der Sicherheit der Menschen den Vorrang eingeräumt hatten und davon nicht abzubringen gewesen waren, zur vorzeitigen Pensionierung "verholfen" haben.


Sie waren die zuständigen polizeilichen Leiter in Duisburg und Bochum. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Kuro Sawai vom Brightsblog


Kuro Sawai - 28.07.2010



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